Was gegen die unsichtbaren Folgen eines Schlaganfalls hilft
(djd). Wer nach einem Schlaganfall einen Rollator braucht oder Mühe hat, ein Glas zu halten, kann das kaum verbergen. Doch es gibt auch Schlaganfall-Folgen, die man nicht sieht – sogenannte neuropsychologische Funktionsstörungen. Sie stellen Betroffene und Angehörige vor besondere Herausforderungen. Welche Strategien helfen?
Unsichtbare Folgen
Etwa 270.000 Menschen erleiden in Deutschland jährlich einen Schlaganfall. Das sind fast so viele, wie in Gelsenkirchen wohnen. Etwa 80 Prozent von ihnen, also vier von fünf Patienten, leiden danach unter neuropsychologischen Funktionsstörungen. Zu diesen oft unsichtbaren Folgen zählen neben Sprachstörungen (Aphasie) unter anderem Aufmerksamkeits- und Gedächtnisprobleme, eine verringerte Belastbarkeit, schnelle Reizbarkeit und Schwierigkeiten, komplexe Alltagssituationen zu bewältigen.
Selbst ein Einkauf im Supermarkt oder konzentriertes Arbeiten kann die Betroffenen überfordern. Manche können gut sprechen, aber nicht mit Zahlenreihen umgehen. „Unsichtbare Folgen werden oft unterschätzt“, sagt Dr. Michael Brinkmeier, Vorstand der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe. Im gewohnten Umfeld wird vielen Betroffenen erst bewusst, dass sich etwas grundlegend verändert hat – oft ohne dass sie das zunächst einordnen können.
Was hilft den Betroffenen?
Viele neuropsychologische Funktionsstörungen lassen sich durch gezielte Tests und Beobachtungen erkennen und behandeln. Manche bilden sich von allein zurück, andere bleiben, manchmal ein Leben lang. Doch es gibt Hoffnung: „Einige Therapien führen auch längere Zeit nach dem Schlaganfall zu Verbesserungen“, sagt Dr. Michael Brinkmeier. In anderen Fällen helfen Kompensationsstrategien wie konsequentes Pausenmanagement. Auch die Kommunikation mit den Angehörigen und dem Umfeld ist wichtig.
Müssen Betroffene sich immer wieder aufs Neue erklären, weil ihre Beschwerden nicht sichtbar sind, belastet sie das zusätzlich. Dr. Caroline Kuhn, Leiterin der Neuropsychologischen Universitätsambulanz der Universität des Saarlandes, rät Angehörigen, Betroffene nicht zu therapieren: „Ermahnungen erzeugen Gefühle von Rollenungleichgewicht und kränken, obwohl man es gut gemeint hat.“ Besser sei es, geduldig zu sein und konkret zu schildern, welches Verhalten einem am anderen auffalle.
Das helfe den Betroffenen zu erkennen, was genau anders sei. Diese Einsicht ist der erste Schritt hin zu einer passenden Therapie. Weitere Informationen und Tipps finden Betroffene und Angehörige unter www.schlaganfall.de und im Ratgeber „Schlaganfall, Schädel-Hirn-Trauma und MS – Das Leben mit neurologischer Erkrankung gestalten“ von Dr. Caroline Kuhn.
Foto: djd/Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe/Besim Mazhiqi
